Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg, 21./22. Februar 2019

Während auf der politischen Bühne um Existenz und Ausmaß eines anthropogenen Klimawandels eine von evidenten geo- und biopolitischen Interessen geleitete erbitterte Auseinandersetzung geführt wird, agiert die Erde davon unbeeindruckt. Ereignisse wie Dürren, Überschwemmungen, Hungersnöte, schmelzende Gletscher und Artensterben betreffen uns dennoch so direkt, dass es schwerfällt, an einer distanzschaffenden Dichotomie von Natur und Kultur festzuhalten. Die Geowissenschaften hat das sicht- und messbare Ausmaß des menschlichen Einflusses auf die Erde bereits zur Bestimmung eines neuen Erdzeitalters veranlasst: des Anthropozäns. Ihre Episteme, wie auch die anderer Wissenschaften, scheinen jedoch zur Disposition zu stehen.

Anstatt sich an ein dichotomes Weltbild zu klammern oder Klimanegationismus als verzweifelten Fluchtweg in eine imaginierte Parallelwelt zu versuchen, schlägt Bruno Latour (2017, 2018) vor, sich auf den Weg in die ‚kritische Zone‘ zu machen. Die ‚kritische Zone‘ ist die dünne Schicht an der Oberfläche der Erde zwischen der Grundwassersohle und der Spitze der Vegetation. Gestein, Erde, Wasser, Luft und lebende Organismen bestimmen hier in ihrer Interaktion über beständige und hochkomplexe Transformationsprozesse die Grundlagen allen Lebens auf der Erde. In dieser Zone entfaltet die Erde als Akteurin für uns ihre Handlungsmacht. Es gilt nun, dieses neue Gebiet zu erkunden, um unser untrennbares Verwobensein mit den terrestrischen Prozessen zu verstehen.

Eine solche Erkundung wirft auch Fragen der Sichtbarkeit und der Sichtbarmachung auf. Die Tagung unternimmt daher eine bildtheoretische Expedition in die kritische Zone, um Hinweise auf die Beantwortung insbesondere folgender Fragen zu sammeln:

- Welche Lebensbedingungen stellt die kritische Zone für Bilder bereit?
- Können Bilder als Mittler zwischen Erde und Mensch oder als Akteure in der kritischen Zone verstanden werden?
- Welche Bildstrategien entstehen, um den neuen politischen Akteur ‚Erde‘ zu inszenieren?
- Existieren in der kritischen Zone neben dem Menschen noch andere animalia symbolica (Cassirer)?
- Wie sind in der kritischen Zone die Sichtbarkeitsbedingungen für ihre bildlichen Symptome beschaffen?
- Wie bilden Bilder in der kritischen Zone? Wie (de-)konstruieren Bilder uns Welt?
- In welcher Weise sind Bilder an der Transformation von Wissensbeständen über den Klimawandel beteiligt?
- Wo setzen künstlerische Praxen etwa als kritische Zeigegesten und transformatorische Bild(n)er an?

Vorschläge für dreißigminütige Vorträge werden mit einem wissenschaftlichen Kurzlebenslauf bis zum 31.10.2018 per Email an Jacobus Bracker und Stefanie Johns erbeten: post@bildkontexte.de. Der Erfolg dieser Expedition hängt maßgeblich von einer interdisziplinären Zusammensetzung ihrer Mitglieder ab. Auch eine Beschränkung auf bestimmte Epochen, Kulturen oder Gesellschaften ist nicht vorgesehen, denn wie auch bei den vergangenen vier Tagungen dieser Reihe verstehen wir die historischen und soziokulturellen Kontraste als wesentliches Erkenntnisinstrument.

Tagungsort und -zeit: Warburg-Haus der Universität Hamburg, 21. und 22. Februar 2019.

Organisation: Jacobus Bracker (Institut für Archäologie und Kulturgeschichte des antiken Mittelmeerraumes, Fakultät für Geisteswissenschaften, Universität Hamburg), Stefanie Johns (Forschungs- und Le[]rstelle – Kunstpädagogik und visuelle Bildung, Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Hamburg).

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